Die Sehnsucht nach Gewissheiten…

Nach einigen Monaten Sendepause – habt Ihr uns vermisst? Vielleicht seid aber auch Ihr durch die Geschwindigkeit, mit der sich unsere Welt im Großen und im Kleinen verändert, mit anderen Dingen beschäftigt gewesen? Wir möchten wieder in unseren Blog einsteigen und Euch unsere Sicht auf die Dinge näherbringen: die Sicht zweier Frauen, die im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins an der Ostseeküste aufgewachsen sind, mit beruflichem Hintergrund in der Landwirtschaft und langjährigem Engagement in der Politik.

Gerade diese Politik hat uns in den vergangenen Wochen und Monaten in Atem gehalten. Kriegerische Auseinandersetzungen in vielen Teilen der Welt, ausgelöst von Regierungen, deren Verbundenheit mit demokratischen Grundrechten und dem Völkerrecht uns lange selbstverständlich erschien. Innenpolitische Entwicklungen, die Zweifel daran aufkommen lassen, wie nah die Berliner Politik noch am Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger ist. Alles geschieht in einer Geschwindigkeit, bei der die Auswirkungen „aktueller“ Ereignisse schon am nächsten Tag von neuen Entwicklungen überholt werden. Ein sprunghafter amerikanischer Präsident mit eigenem sozialem Netzwerk und eine Flut an Informationen aus dem In- und Ausland – in Echtzeit, oft ungeprüft und über unzählige Medienkanäle verbreitet – überfordern viele Menschen intellektuell und emotional.

Wir sehnen uns nach Gewissheiten, weil so vieles infrage gestellt wird. Gewissheiten geben Sicherheit und lassen uns zur Ruhe kommen. Die Kunst besteht wohl darin, sich bewusst Auszeiten vom Medien- und Informationskonsum zu nehmen und Momente der Besinnung zuzulassen.

In diesem Blog möchten wir immer wieder auf Unterschiede zwischen dem Leben im ländlichen und im urbanen Raum aufmerksam machen. Gerade im Hinblick auf bewusste Auszeiten von der Hektik unserer Zeit sehen wir einen natürlichen Vorteil des Lebens auf dem Land: Man ist unmittelbarer mit der Natur verbunden und findet leichter Momente, in denen man die beruhigende Umgebung bewusst wahrnehmen kann. Oft arbeitet man zudem noch mit den eigenen Händen und ist viel in Bewegung – da bleibt das Handy automatisch in der Tasche. Wer dagegen im Büro arbeitet und ständig erreichbar ist, muss sich bewusst disziplinieren oder ist auf klare Regeln am Arbeitsplatz angewiesen. Natürlich bedeutet das nicht, dass es in Städten keine Möglichkeiten zur Entschleunigung gibt oder dass dort die Handynutzung nicht ebenfalls eingeschränkt sein kann.

Hat man es geschafft, sich – sei es durch Selbstdisziplin oder durch die Anforderungen des Alltags – für eine Zeit von den aufwühlenden Algorithmen moderner Medien zu lösen, dann fällt es nicht schwer, Gewissheiten zu finden, die einfach guttun: die Gewissheit, in einer der schönsten Regionen der Welt leben zu dürfen. Mit blühenden Rapsfeldern im Mai, gesunden Lebensmitteln in ausreichender Menge, beheizbaren Wohnungen, fließendem Wasser und Strom, erreichbarer medizinischer Versorgung und vor allem in einem freien Land mit einer funktionierenden Demokratie.

All das ist nicht selbstverständlich – und wahrlich ein Grund, zur Ruhe zu kommen und dankbar zu sein.

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